Willkommen im urban zoo
Sonntag, 7. Februar 2010
Neulich im Krankenhaus: Vater, Sohn und die "Dicke Busen"
woman of vision | 07. Februar 10
Krankenhausalltag: Seit drei Tagen saß ich mehrere Stunden im Aufenthaltsraum und beobachtete das Treiben. Großfamilien, alte Leute, junge Leute, Menschen mit kleinen Babys, Glatteisopfer mit gebrochenem Bein – das war der langweilige Alltag, bis plötzlich……

Mit Kickermatte, Jeansjacke, weißen Tennissocken und schwarz-lilagemusterten billigen „Pumperhosen“ kam der ca. 1,60m-große Familienvater in den Aufenthaltsraum, um seine Frau zu besuchen. Ein dicker, ca. zwölfjähriger Junge, gefolgt von einer Herde Geruch, trottete seinem Vater hinterher, offenbar ohne jegliche Art von Empfinden das neugeborene Geschwisterchen kennenzulernen.

Erst als der Vater die gerollte „Große Busen“ aus seiner hinteren Hosentasche zog, seine Beine spreizte, sich zurücklehnte und völlig zufrieden seine Zeitschrift vor das Gesicht hielt und interessiert die „Titten des Monats“ studierte, bekam der Junge einen Einfall von Interesse. Mit großen Augen setzte er sich neben seinen Vater, schielte in die Zeitschrift und bekam ein zufriedenes Lächeln. Auch als die Mutter des Jungen dazukam und ihn begrüßte, schnauzte der Vater seinen Sprössling an: „ Duuu, sach der Mudda, jetze hallo , und nimm deine dreckigen Augen aus meiner „dicke Busen“.

Permalink





Donnerstag, 4. Februar 2010
Knüppeltag am Ballermann
woman of vision | 04. Februar 10
Spanien: Sommer, Sonne, Strand und mehr! Als wir in unserem kleinen Ferienort auf Mallorca ankamen und abends noch schnell ein Bier tranken, bekamen wir einen Urlaubstip, der in keinem Reiseführer steht: Nachdem zwei Renter, mit beigen Bermudas, braunen Lederschuhen, drahtigen Brillen und hochgezogenen Socken von ihrem Spielautomaten abließen und uns immer wieder ansahen, als ob sie seit Tagen in der Wüste irren und endlich Wasser fänden, sprachen sie uns an mit einem lautem „allemann?“ – „Jaaaaaa, wir sind deutsch!“ sagten wir unmotiviert und sahen uns schon in einer Endlosschlaufe oberflächlicher Gespräche über aktuelles aus der "Bild". Nach 10 Minuten Smalltalk über Mallorca und wie sich die Insel verändert hat und wer wann wo sein Haus hier kaufen wird, wollten wir schnell die Bar verlassen.

Bis plötzlich, Ehegattin Karin und Schwiegertochter Claudia dazukamen, mich langsam an die Seite zogen und einen betroffenen, ernsten, gar traumatisierten Blick aufsetzten. Drei Fragezeichen standen in meinem Gesicht. Karin kneifte mir in den Oberarm und sprach mit eindringlichen Worten:“Sei ja vorsichtig Mädschn, hier gibt’s Tage da warten se draußen anna Kneipe mitm Knüppel auf dich, so wie beim Dieter…!“ Verwirrt erwiderte ich mit einem kurzem Lächeln, nickte und zog meinen Freund an der Hand nach draußen und spürte die mitleidigen Blicke die sich durch die Bar nach draußen in meinen Rücken bohrten und hörte noch: „Näh, diese Leute aus der Großstadt, die wird’s auch erwischen, weil se nich auf uns hören wollten. Ich sach’s dir Dieter, morgen kriegen die auch eins mitm Knüppel übergebraten!“ Mit diesen Worten verließ ich auch einige Tage später die Insel und frage mich noch immer, wo ein Mensch auf der Welt ist, der einem derartig merkwürdige Begegnungen erklärt.

Permalink





Donnerstag, 28. Januar 2010
Mit dem Taxi durch New York - stuffed rabbit missing
woman of vision | 28. Januar 10
New York, 7 Uhr morgens. Nach einem neunstündigen Nachtflug saß ich mit schweren Augenlidern im Taxi auf dem Weg in mein Hotel in der 8th Avenue am Broadway. Zu müde um aus dem Taxi zu schauen und die Stadt zu entdecken, beschränkte sich mein Sichtradius auf den Innenraum des Sammeltaxis. Gegenüber von mir bekam ein real american businessman, erschöpft vom Flug, einen immer schwerer werdenden Kopf und kämpfte damit die Augen offen zu halten. Dies gelang bedingt… Während er in seinem schwarzem Nadelstreifenanzug, mit edler Krawatte und einem schicken Seidenhemd trotz seiner fiesen Augenringe noch immer sehr adrett aussah, verlor sein Körper die Kontrolle: Langsam fielen die Augen zu, weit öffnete sich der Mund (gefährlich nah an der Sabbergrenze) und er begann zufrieden und entspannt zu schnaufen. Eingeschlafen. Das Taxi fuhr ruhig durch die Straßen und alles schien friedlich still und geborgen – auch ich schlief ein.

Bis plötzlich: HUUUUUP!!! Mit einem kräftigen Zucken stolperte ich aus meinem Halbschlaf – Panik, Action, Hilfe… war doch nur die Autohupe. Auch mein Gegenüber wachte auf, offenbar nicht aus dem Halbschlaf, sondern aus den Tiefen seiner Traumwelten. Ängstlich, ja sogar aggressiv und total erschrocken, guckte der businessman mit aufgerissenen Augen verwirrt um sich, begann hastig seine Tasche zu öffnen und sagte laut:“Oh my god, where is my stuffed rabbit?“ Ich sah ihn an und zuckte betroffen mit meinen Schultern. Langsam bekam er einen klaren Blick, richtete seine Krawatte, zuckte mit seinem linken Auge und realisierte, dass er „Denken und Sprechen“ verwechselte. Mit rotem Kopf und wachen Augen starrte er die weitere Taxifahrt verbissen aus dem Fenster.

Permalink





... ältere Einträge